SMV in Yverdon

Emotionen wie sie die Aktivsektion am 12. & 13. September 2015 an den Schweizermeisterschaften in Yverdon-Les-Bains erleben durfte, sind nur schwer in Worte zu fassen oder mit Fotos festzuhalten. Es sind Momente für die Ewigkeit, die jeder der sie erlebt hat ganz tief für sich speichern sollte um lange davon zehren zu können. Die SMV 2015 waren unsere SMV, und wie!

Noch keine neun Monate ist es her, als sich die Turnerinnen und Turner nach der wohlverdienten Weihnachtspause zum ersten Mal wieder in der Halle trafen um mit neuem Elan in eine weitere Saison Vereinsturnen zu starten. Die Schweizermeisterschaften auf der anderen Seite des Röstigrabens waren damals das Fernziel und der zu gehende Weg lange und intensiv. Doch nun war es soweit und die SMV standen endlich an, es war Zeit zu liefern.

Nach einer entspannten Zugreise ins Welsche und einer kurzen Orientierungsphase vor Ort galt es zum ersten Mal ernst für den STV Langendorf. Die Damen und Herren der Geräteriege zogen sich zum Einturnen zurück um pünktlich um 11.30 Uhr das Eis unter dem Ringgerüst zum Schmelzen zu bringen. Die SMV und unser SR Team hatten bisher eine etwas problematische Beziehung. Während in manchen Jahren die Leistung dem Anlass nicht gerecht wurde, wurde in anderen Jahren teils die Bewertung der Leistung nicht gerecht. Somit blieb das ‚ewige‘ Ziel der Top-10 Platzierung auch fürs 2015 unverändert. Dieses Jahr wurde uns eine angenehme Startzeit zugelost und auch die Stimmung in der Halle war befeuernd. Diese Vorgaben schien die Geräteriege veritabel aufzusaugen und in Leistung umzuwandeln. Pünktlich zum Saisonhöhepunkt wurde die Bestleistung abgerufen. Die Vorführung überzeugte durch eine hohe Synchronität und sehr saubere Landungen. Als der letzte Schlag aus den Boxen dröhnte, gab es kein Halten mehr. Das Schlussbild verwandelte sich in Sekundenschnelle in einen Trubel von stolzen, glücklichen und teils erleichterten Turnerinnen und Turner. Nach unserer Vorstellung in Bern 2012 wurde im Bericht vermerkt: „Es ist deutlich zu erkennen, dass unsere vereinseigene Leistungssteigerung in einem zähen Wettlaufen mit der schweizweiten Steigerung der Leistungsdichte steht“. Daran hat sich auch in den letzten drei Jahren nichts geändert, es würde also ein heisser Tanz geben. Nach Bekanntwerden der Note 9.27 machte sich eine gewisse Unsicherheit breit. Doch je länger der Tag wurde, je mehr zeichnete sich ab: es ist vollbracht. Im SR-internen Whatsapp-Chat wurden im Viertelstundentakt die neusten Resultate präsentiert bis unser Leiter um 4.48 meldete: „8.!  Mit aune druffe!!!“ Tatsächlich, wir sind der acht beste Schaukelringverein in der ganzen Schweiz. Die Freude war und ist riesig, was wir aus unseren Vorgaben Jahr für Jahr hinauskitzeln und wie wir in den wichtigsten Momenten eine grosse mentale Stärke unter Beweis stellen. Die Leiter Carlo und Nino Weingart führen diese nicht immer einfache Truppe mit Bravour durch das Jahr. Sie verstehen es Spass und Witz mit einer gesunden Leistungskultur mustergültig zu kombinieren. Ihre motivierende, hilfsbereite und freundschaftliche Art verbunden mit einem unerschöpflichen turnerischen Know-How sorgen in Langendorf trotz mangelhafter Infrastruktur zu einem fantastischen Trainingsumfeld. Sie dürfen auf diese Rangierung speziell stolz sein.

Nach einer Pause im letzten Jahr war nun auch unsere Gymnastik Bühne wieder auf der ganz grossen Bühne zurück um sich zu messen. Die Erwartungen seitens der beiden Leiterinnen waren bescheiden angesetzt, man wollte sehen wo man steht. Die Aufführung fand leider etwas ausserhalb des eigentlichen Wettkampfgeländes statt. Eine grosse Delegation von Fans und Vereinsmitglieder sorgte jedoch dafür, dass sich die Damen nicht einsam fühlen mussten. Ganz in schwarz gekleidet betrat das Team das Feld und startete eine makellose Vorführung. Eine Vorführung mit Grazie, Eleganz, Power und Kreativität. Das GYB-Team meldete sich mit einem grossen Knall zurück in den Top-Teams der Schweiz. Mit einer phänomenalen Note von 9.49 segelten die Frauen auf Rang 7. Lediglich zwei Hundertstel hinter der Finalteilnahme. Wow, was dieses Team im Kalenderjahr 2015 geleistet hat ist unglaublich. Die beiden sehr beschäftigten Leiterinnen Sevval Ceylan und Serena Häner haben viel Herzblut in die Mannschaft gesteckt. Diese hat solches erwidert und das Resultat ist für alle ein geniales Ergebnis.

Zwei von drei Disziplinen waren somit in den Top 10 klassiert. Für das GYK standen höhere Ziele an. Man wollte endlich zurück dorthin wo man seit 2009 nicht mehr stand. Zuoberst aufs Podest. Schweizermeister werden. Den Pokal. Den Ruhm. Wie hart dafür trainiert wurde, kann hier gar nicht beschrieben werden. Egal bei welchem Wetter, egal wie dunkel es schon war. Das Team der Kleinfeldgymnastik trainierte immer mit genau gleich viel Biss und Ehrgeiz. Private Interessen wurden zurückgestellt für das grosse Gemeinsame und nun soll der Tag gekommen sein. Bei strömendem Regen zeigten die 16 Turnerinnen eine nahezu perfekte Leistung und zogen mit der Note 9.76 in den Final ein. Zwischenrang – mal wieder – zwei. Das Final wurde überraschend in die Halle verlegt. Ein Novum. Doch die bereits oben beschriebene mentale Stärke unserer Leute zeigte sich auch am Sonntag wieder. In der Halle offerierte uns das Team um Kevin, Nora und Julia eine Vorführung der absoluten Extraklasse. Synchron wie in Nordkorea, lächelnd wie in Australien. Flink wie in Jamaica und elegant wie in Frankreich. Es verschlug dem Publikum beinahe die Sprache und die Freude war grenzenlos. Wunderschön zu sehen war auch folgendes: Das Team feierte die Leistung bereits in ganz grossem (und klassischen Längedörfer) Stil, noch bevor das Resultat bekannt war. Und dies zu recht, diese Mannschaft war stolz auf sich. Sowie jeder Chutzebueb und jedes Chutzemeitli welcher der Vorführung mitfiebern durfte.

Etwas nach 16.00 Uhr war es soweit. Die Finalisten versammelten sich in der Eishalle. Fähnrich und Leiter auf dem Feld, der Rest auf den Rängen. Die Stimmung war gut und (feucht-)fröhlich. Plötzlich jedoch Schweigen: Kleinfeld Gymnastik war die allererste Disziplin des Rangverlesens. „Auf dem zweiten und dritten Rang, punktgleich…“, alle Langedörfer hielten kollektiv den Atem an, „der TV Buchs und der TV…“. Unkontrollierte Emotionen brachen aus. Wir umarmten uns alle, hoben uns in die Luft. Gestandene Männer mit Tränen in den Augen, andere welche wie vom Schlag getroffen an Ort und Stelle verwurzelten. We did it, der STV Langendorf ist zurück auf dem Thron!!! Sobald freigegeben, wurde das Eisfeld gestürmt. Mit einem Ziel: Denen Leuten die Ehre zu erweisen, die es am meisten von allen verdient haben. Kevin Eggenschwiler sowie Nora und Julia Bachmann, die Schöpfer dieses 10.00s. Diese drei Langendörfer haben uns bewiesen zu was Ehrgeiz, Wille und eine gesunde Portion Verbissenheit führen kann. Ihr Aufwand war immens und dieser Moment ist der Lohn für ihre Arbeit, sie haben es sich mehr als verdient.

Die nächsten zwei Stunden sind kaum zu beschreiben und eigentlich will ich das auch nicht. Es war eine wunderschöne Zeit mit wunderbaren Leuten. Die Glückshormone schienen alle von uns auf einer Wolke zu tragen. Wir tanzten, sangen, sagten uns schöne Dinge und genossen. Ja, wir genossen diese Momente nicht einfach unter Vereinskollegen, nein, sondern unter guten Freunden. Zu Hause in Langendorf wartete eine grosse Delegation auf uns und begleitete den ganzen Turnverein ins National zum Apero. Die Leiter erhielten ihre wohlverdiente Bühne und Geschenke und beim gemeinsamen Abendessen liess man das unvergessliche Wochenende gemeinsam ausklingen.

Vielen Dank allen die einen Teil zu diesem Wochenende und zur ganzen Saison beigetragen haben. Es war der Wahnsinn. Nun steht der Herbst und somit die Turnshow an. Man sieht sich dort.

Fotos findet ihr in der Galerie, die Videos sind auf Youtube.

Zum Schluss noch dies: Wir sind mit drei Disziplinen gestartet und kehrten zum ersten Mal mit drei Top-10 Platzierungen zurück. Wir haben lange gewartet, viel gelitten und hart gekämpft, doch:

„Wenn wir uns nach einem Leben ohne Schwierigkeiten sehnen, sollten wir daran denken, dass Diamanten unter Druck entstehen und Eichen gegen den Wind wachsen“. (Peter Marshall, Unternehmer)